Der Job aus dem TV

70 Prozent aller Jungen im Kosovo sind arbeitslos. Eine Fernseh-Casting-Show, die von der Schweizer Helvetas unterstützt wird, soll das ändern

Die Beine überschlagen, schwarzer Anzug, Krawatte, strenger Blick auf die Notizen – Moderator Visar Arifaj sitzt im TV-Studio, umringt von acht jungen Kosovaren, die nervös auf ihre nächste Aufgabe warten. Der 28-Jährige Unternehmer und Politiker aus der Hauptstadt Priština führt durch die achte Ausgabe der Casting-Show «Pun Pun», auf deutsch: «Arbeit Arbeit». In der Sendung buhlen vier Frauen und vier Männer um einen Arbeitsvertrag – eine Mangelware im krisengebeutelten Balkan-Staat.

Die Jugendarbeitslosigkeit im Kosovo liegt bei fast 70 Prozent. Der Krieg Ende der 90er-Jahre und die noch immer fehlenden wirtschaftlichen Möglichkeiten haben den Arbeitsmarkt ausgetrocknet. Viele Schulabgänger versuchen ihr Glück im Ausland. Zehntausende haben das Land 2015 verlassen, alleine in der Schweiz haben knapp 600 Personen einen Asylantrag gestellt – obwohl Arbeitslosigkeit kein anerkannter Fluchtgrund ist.

Die Casting-Show soll den jungen Menschen Hoffnung geben und andere Lösungen aufzeigen, als das Land zu verlassen. In jeder der acht Folgen müssen die Kandidaten Aufgaben lösen – wie sie sich etwa bei Bewerbungen verhalten sollen oder wie sie ihre Kompetenzen in Projektmanagement und Teamarbeit am besten einbringen. In der Sendung geht es aber nicht nur um die Kandidaten. Auch die Zuschauer sollen etwas lernen: Laufend werden neue Tipps zur Jobsuche gegeben oder zum richtigen Formulieren von Bewerbungen.

Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei fast 70 Prozent: Viele junge Kosovaren versuchen ihr Glück im Ausland. Dagegen will das Hilfswerk Helvetas ankämpfen.

«Pun Pun» läuft auf dem kosovarischen TV-Kanal Koha Vision, die Show wird vom Schweizer Hilfswerk Helvetas mitfinanziert – im Rahmen eines Programms, das die Jugendarbeitslosigkeit im Kosovo bekämpfen soll. «Viele Kosovaren machen einen universitären Abschluss, haben aber keine Erfahrungen vorzuweisen», sagt Heini Conrad, Landesdirektor von Helvetas im Kosovo. Dank «Pun Pun» sollen sie zumindest virtuell einen Einblick in die Geschäftswelt erhalten.

Für das gesamte Hilfsprogramm erhielt Helvetas 2012 von der Schweizer Entwicklungshilfe für vier Jahre 7,15 Millionen Franken zugesprochen. In die TV-Castingshow investierte sie bisher 40 000 Euro. «Im Kosovo gibt es keine seriösen Zahlen zur Einschaltquote, das Feedback war aber gut», sagt Conrad. Eine zweite Staffel mit acht Sendungen folgt. Diese Woche wurde eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. «Wir werden auch die Neuauflage mit 10 000 Euro unterstützen, den Rest haben die Produzenten selber organisiert», sagt Conrad. Im kommenden März soll die Sendung ausgestrahlt werden. Dank des Erfolges sei auch das Nachbarland Albanien interessiert, das Format zu übernehmen.

Casting-Shows für den Arbeitsmarkt kennt auch die Schweiz. 2005 vergab das SRF in «Traumjob» einen hochdotierten Managerposten. Nicht so bei «Pun Pun»: Dort geht es darum, überhaupt einen Job zu kriegen.

Von den acht Teilnehmern bekam am Ende die Hälfte einen Arbeitsvertrag. So auch die 26-jährige Merfida Jerliu. Sie hat, wie viele im Kosovo, ein Wirtschaftsstudium abgeschlossen und danach keinen Job gefunden. Dank «Pun Pun» arbeitet sie heute in der Finanzabteilung eines Händlers von Keramikwaren.

Text
Linda von Burg

Fotos
Christian Bobst

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Gestaltung
Linda von Burg