Allmächtig

«Star Wars: The Force Awakens» läuft an. Die neuen Helden, die alten Helden und das Milliardengeschäft

«Star Wars: The Force Awakens»: 30 Jahre nach dem Sieg über Darth Vader wird die Galaxie von einem neuen Bösewicht bedroht. Ihm stellt sich die Plünderin Rey (Daisy Ridley) entgegen.

Der Droide BB-8 ist einer der heimlichen Stars in «The Force Awakens».

«Bist Du bereit dafür?» wird Deserteur Finn (John Boyega) im Film von Han Solo (Harrison Ford, r.) gefragt. Hier mit dem nach wie vor haarigen Chewbacca (Peter Mayhew).

«The Force Awakens»: Die TIE-Jäger der Ersten Ordnung (böse) im Luftgefecht mit X-Flüglern des Widerstands (gut).

«Zum Lachen ihr Menschen seid»

Yoda, ungefähr 900 Jahre alt, ist der mächtigste Jedi-Ritter. Er ist zwar nur 66 Zentimeter gross und wiegt – obwohl er gerne isst – höchstens 17 Kilos. Doch mit Weisheit, Kraft und verdrehter Sprache wacht er über den Rat, der die Galaxie beschützt.

Was er wohl zum neuen Abenteuer «Star Wars: The Force Awakens» sagt? Um den Film ranken auch wenige Tage vor dem Start noch zahlreiche Geheimnisse. Aber sicher ist: Yoda wird nicht als Hauptfigur auftreten. Denn im chronologisch letzten Teil «The Return of the Jedi» starb der Weise auf dem Sumpfplaneten, pardon, er wurde eins mit der Macht.

Schwierig, ihn da für ein Interview aufzutreiben. Aber wie pflegt er selber zu sagen? «Du suchst jemanden, gefunden hast du jemanden.»

Wir haben ihn tatsächlich aufgetrieben, irgendwo in einer weit, weit entfernten Galaxie.

Meister Yoda, wie geht es Ihnen?
Hm.

Sie sind ja eins mit der Macht. Wie fühlt sich das an?
Alles verbunden ist. Nichts wichtig ist.

Etwas präziser, bitte.
Steine, Holz, Brot, Luft, Wasser, Nebel, Sümpfe, Stechmücken ...

... Sie meinen wirklich alles?
Nicht zugehört Ihr habt! Alles verbunden ist.

Wie im Taoismus?
Taoismus! Buddhismus! Yoga! Zum Lachen ihr Menschen seid, für alles eine Bezeichnung ihr braucht.

Was machen Sie den ganzen Tag?
Essen, schlafen, spazieren, meditieren.

Ist das für einen ehemaligen Jedi nicht ein bisschen langweilig?
Abenteuer. Aufregung. Ein Jedi solche Dinge nicht sucht.

Kommen Sie im neuen Film vor?
Zu fixiert auf die Zukunft ihr seid. Vorsicht walten ihr müsst, wenn in die Zukunft ihr blickt.

Sie kommen also nicht vor, nicht einmal als Hologramm?
Sicher als lachhaftes Hologramm nicht.

«Jar Jar Binks weit unterschätzt ist»

Wir finden es schade, dass Sie gestorben sind und werden Sie vermissen.
Der Tod ein natürlicher Bestandteil des Lebens ist. Frohlocket und jauchzet für diejenigen in eurer Nähe, welche zur Macht übergehen. Sie betrauern, tut nicht. Sie vermissen ebenfalls nicht.

Befürworten Sie überhaupt die Fortsetzung der «Star-Wars»-Reihe?
Neue Wege stets zu begrüssen sind. Aber niemals an die alten Tage anknüpfen sie werden können.

Sind Sie etwa nostalgisch, Master Yoda?
Nostalgie wie Holz ist.

Aha.
Wie Stein.

Verstanden. Aber die zweite Trilogie war eine Enttäuschung.
Enttäuschung ein weiteres Wort für Individuen ist, die bewerten alles wollen. Mein Schwertkampf mit Count Dooku für immer in Erinnerung bleiben wird.

Die Macht ist mit ihm: Yoda (gut) kämpft gegen Count Dooku (böse).

Ist das Ihre Lieblingsszene?
Wichtig ich nicht bin. Am meisten Freude mir Jar Jar Binks bereitet ...

... den hassen doch alle?
Hass zur dunklen Seite der Macht führt. Jar Jar Binks weit unterschätzt ist.

Stimmt es, dass die dunkle Seite der Macht stärker ist?
Viel zu lernen ihr noch habt. Verführerisch sie ist, leichter zu lernen. Damit ihr versteht ein Vergleich: Die dunkle Macht wie ein Big Mac ist. Mehr Lust macht als Vollkornspaghetti.

Ist die Konzeption der Macht als einer destruktiven Kraft nicht Ausdruck eines genuin ­kapitalistischen Denkens?
Hm.

Wie würden Sie die Macht definieren?
Mein Verbündeter sie ist und mächtig. Das Leben sie erschafft, zur Entfaltung sie uns bringt. Ihr müsst sie fühlen, die Macht, die euch umgibt.

Kann jeder versuchen, die Macht zu erfahren?
Tut es oder tut es nicht. Es gibt kein Versuchen.

Das haben wir getan. Da war nichts.
Die Macht nicht sehr stark in euch ist. Zu viele Gedanken ihr euch macht. Unterweisen kann ich euch nicht. Keine Geduld habt ihr Journalisten.

Zum Schluss, Master Yoda: Den Film anschauen Sie werden?
Hä?

Entschuldigen Sie, kleiner Scherz. Danke für das Gespräch.
Auch danke. Und möge die Macht mit euch sein.

Der Sternenkrieg und die wahre Welt - 38 Jahre Geschichte

Prinzessin Leia (Carrie Fisher) und Han Solo (Harrison Ford) in «The Empire Strikes Back». Sie gesteht ihm: «I love you». Er antwortet: «I know».

Pilot, Schmuggler und Held Han Solo (Harrison Ford): «Prima Junge, aber werd’ jetzt bloss nicht übermütig.» 

Pilot, Schmuggler und Held Han Solo (Harrison Ford): «Prima Junge, aber werd’ jetzt bloss nicht übermütig.» 

1977

EPISODE IV – A NEW HOPE

Was geschieht im Film?
Das Imperium will mit einem Todesstern alle Galaxien unterwerfen. Aber eine Handvoll Rebellen leistet Widerstand und der junge Luke Skywalker jagt die Bedrohung schliesslich in die Luft. Jedi-Meister Yoda hat in diesem Film noch keinen Auftritt – der einzige ohne ihn.

Was geschieht in der realen Welt?
Elvis Presley stirbt. RAF-Anschläge erschüttern Deutschland. Kurt Furgler ist Schweizer Bundespräsident. Und «Rocky» mit Sylvester Stallone gewinnt den Oscar.

Und jetzt?
Niemand glaubt daran, doch «Star Wars» (wie er damals noch kurz und bündig heisst) wird der erste Blockbuster der Filmgeschichte. Nicht zuletzt, weil George Lucas begreift, das moderne Filme nicht auf der Leinwand enden, sondern als Werbeprodukt auf der Müeslipackung.

Darth Vader: «Gemeinsam können wir als Vater und Sohn über die Galaxis herrschen.»  

Darth Vader: «Gemeinsam können wir als Vater und Sohn über die Galaxis herrschen.»  

1980

EPISODE V – THE EMPIRE STRIKES BACK

Was geschieht im Film?
«Ich bin dein Vater!» enthüllt der böse Darth Vader dem perplexen Luke Skywalker. Die Rebellen werden erneut in die Enge gedrängt. Und auf dem Sumpfplaneten Dagobah begegnen wir erstmals einem grünen Zwerg, der sich nur fürs Essen zu interessieren scheint: Yoda.

Was geschieht in der realen Welt?
Die Sowjetunion marschiert in Afghanistan ein. Der Gotthard-Strassentunnel wird eröffnet. Und Bob Marley gibt sein letztes Konzert.

Und jetzt?
Die Macht ist mit dieser Serie. Drei Tage vor der Premiere haben bereits erste Fans vor dem Kino ihre Zelte aufgeschlagen. Und dieser von Irvin Kershner inszenierte zweite Teil ist für viele immer noch der allerbeste – 2006 wird er von der britischen Zeitschrift ­«Empire» gar zum besten Film
aller Zeiten gewählt.

Prinzessin Leia (Carrie Fisher) in Gefangenschaft bei Verbrecherfürst Jabba: «Wir haben mächtige Freunde. Das wirst du bereuen.» 

Prinzessin Leia (Carrie Fisher) in Gefangenschaft bei Verbrecherfürst Jabba: «Wir haben mächtige Freunde. Das wirst du bereuen.» 

1983

EPISODE VI – RETURN OF THE JEDI

Was geschieht im Film?
Ein zweiter Todesstern bedroht die Rebellen. Sie zerstören ihn ebenfalls, nicht zuletzt, weil Darth Vader am Ende doch noch väterliche Gefühle zeigt und Luke schont. Meister Yoda aber erlebt den Triumph nicht: Er stirbt 900-jährig auf Dagobah.

Was geschieht in der realen Welt?
Der Papst rehabilitiert Galileo Galilei. Der «Stern» veröffentlicht gefälschte Hitler-Tagebücher. Die Swatch wird lanciert. Der «Spiegel» berichtet zum ersten Mal von der rätselhaften Krankheit Aids.

Und jetzt?
Erstmals ist die Gemeinde gespalten: Braucht es diese niedlichen Ewoks-Teddybären wirklich? Der Film wird, wie alle der ursprünglichen Trilogie, mindestens vier Mal digital überarbeitet. Nicht zuletzt, um ihn den Geschehnissen der nächsten – vorher spielenden – drei Filme anzupassen.

Meister Yoda: «Furcht führt zu Wut. Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.» 

1999

EPISODE I – THE PHANTOM MENACE

Was geschieht im Film?
Viele Jahre früher: Die galaktische Republik ist in Gefahr, Jedi-Ritter haben alle Hände voll zu tun. Auf Tatooine entdecken sie einen äusserst begabten Jungen namens Anakin Skywalker. Aber Yoda, der Weiseste im Jedi-Rat, meint: «Der Auserwählte er sein mag. Aber grosse Gefahr ich befürchte durch seine Ausbildung».

Was geschieht in der realen Welt?
Die Nato bombardiert Serbien. Ruth Dreifuss ist erste Bundespräsidentin der Schweiz. Und Britney Spears veröffentlicht ihr erstes Album.

Und jetzt?
Es gab viel Prügel für die kindische Figur von Jar Jar Binks (dessen Auftritte prompt darauf gekürzt wurden). Aber die Frage, ob es eine neue Trilogie braucht, wurde von den Fans rasch beantwortet: «The Phantom Menace» ist bis jetzt der erfolgreichste der sechs Filme.

Klontruppen gegen Jedi-Ritter: Der Kampf um die Galaxis geht weiter.

2002

EPISODE II – ATTACK OF THE CLONES

Was geschieht im Film?
Anakin wird, trotz Bedenken, zum Jedi-Ritter ausgebildet. Aber lässt sich – oh, dunkle Seite der Macht – vom Zorn übermannen und metzelt nach dem Tod seiner Mutter ein ganzes Dorf nieder. Yoda, der Weise, belässt es diesmal nicht beim Sprechen, sondern greift persönlich zum Lichtschwert.

Was geschieht in der realen Welt?
US-Präsident George W. Bush führt, nach den Anschlägen vom 11. September 2001, Krieg gegen den Terror. Der Euro wird als Zahlungsmittel eingeführt. Simon Ammann wird in Salt Lake City Doppel-Olympiasieger im Skispringen.

Und jetzt?
Auch dieser Film wurde ständig neu überarbeitet. Eine 3-D-Version, die für 2013 geplant war, wurde aber wieder abgeblasen – angeblich, um die Kräfte für die nächste Trilogie zu bündeln.

 Jedi-Ritter Anakin Skywalker (Hayden Christensen) wird zu Darth Vader.

2005

EPISODE III – REVENGE OF THE SITH

Was geschieht im Film?
Anakin Skywalker wendet sich der dunklen Seite der Macht zu und wird in einem feurigen Finale zu Darth Vader. Yoda Zieht sich auf den Sumpfplaneten Dagobah zurück. Aber Amidala gebiert zwei Kinder – Luke und Leia, ­Anlass zu neuer Hoffnung in der Ur-Trilogie.

Was geschieht in der realen Welt?
Angela Merkel wird deutsche Kanzlerin. Die SBB schliesst ihre Raucherabteile. Daniel Craig wird als neuer James Bond vorgestellt.

Und jetzt?
Genug ist genug, behauptet George Lucas nach dieser zweiten Trilogie und sagt, die ursprünglich auf neun Filme angelegte Saga sei damit beendet. Aber im Mai 2012 erliegt er der verlockenden Macht des Geldes und verkauft sein Imperium für vier Milliarden Dollar an Disney. Damit ist der Weg frei für eine neue Trilogie – und weitere Ablegerfilme, die ab 2015 im Jahrestakt starten sollen.

Enttäuschungen gehören zu «Star Wars» wie Chewbacca

Diese Woche startet der siebte «Star-Wars»-Film weltweit, aber Regisseur J. J. Abrams ist skeptisch. Er sagte in einem Interview, er werde bestimmt viele Fans enttäuschen: «Wie kann man solchen Erwartungen gerecht werden?»

Ja, die Erwartungen sind hoch. Aber es gibt zwei Dinge, die den Regisseur beruhigen dürften: Die Geschäftsaussichten sind glänzend. Und Enttäuschungen gehören zu «Star Wars» wie der goldene Roboter C-3PO und der pelzige Pilot Chewbacca. Fans leben seit 30 Jahren damit.

Regisseur J. J. Abrams glaubt, dass «The Force Awakens» viele Fans enttäuscht.

Regisseur J. J. Abrams glaubt, dass «The Force Awakens» viele Fans enttäuscht.

Erinnern wir uns: «Star Wars» (1977) von George Lucas war pure Magie, neu und unerwartet (wer rechnete damit, dass ein actiongetriebenes Lichtschwert-Abenteuer mit zwei lahmen Robotern beginnt).

Der zweite Film «The Empire Strikes Back» (1980) präsentierte vom schneeweissen Auftakt bis zur schwarzen Darth-Vader-Enthüllung das Beste, was so ein Sternenkrieg zu bieten hat.

Aber schon «Return of the Jedi» (1983) enttäuschte: der zweite Kampf zwischen dem ­Bösen und seinem Sohn kam nicht an den ersten heran. Und die Teddybären im letzten Drittel waren des Niedlichen zu viel. Damit ist noch nichts gesagt von den Enttäuschungen – nicht wahr, Jar Jar Binks? – der zweiten Trilogie (1999-2005).

J. J. Abrams hat also gut reden. Selbstverständlich, er wird enttäuschen. Aber man braucht kein Jedi zu sein, um vorauszusehen, dass sich Fans auf der ganzen Welt in Scharen selber davon überzeugen wollen. Und «Star Wars: Das Erwachen der Macht» zum erfolgreichsten Film der letzten Jahre machen werden.

«Star Wars: The Force Awakens» startet in der Deutschschweiz am Donnerstag. In einigen Städten gibt es bereits am Mittwoch Mitternacht-Vorpremieren

Die Macht des Geldes

Lichtschwerter, Mini-Roboter, Unterhosen - das Milliardengeschäft mit den Fanartikeln

Droiden haben den Detailhandel übernommen. In den Kinderzimmern werden die grauen Legosteinchen des Millennium Falcon zu Stolperfallen, und in den Strassen liefern sich kleine Jedi-Ritter erbitterte Lichtschwertkämpfe mit ebenso kleinen Sith. Die einen mag es freuen, die anderen wünschen sich angesichts dieser Invasion in eine weit, weit entfernte Galaxis.

Zehn Jahre nach dem letzten Film «Revenge of the Sith» ist «Star Wars» zurück.

«The Force Awakens» dürfte binnen kurzer Zeit die Rangliste der erfolgreichsten Kinofilme aller Zeiten erobern. Experten erwarten ein Einspielergebnis von zwei Milliarden US-Dollar.

Doch nicht nur der Film steuert auf diverse Superlative zu. Auch der Handel mit Lizenzprodukten erreicht neue Sphären. Profiteur: der Medienriese Disney, der 2012 Lucasfilm übernahm, die Produktionsfirma des gleichnamigen «Star Wars»-Erfinders. Der Kaufpreis betrug 4 Milliarden US-Dollar.

Analysten gehen davon aus, dass der weltweite Umsatz mit lizenzierten «Star Wars»-Produkten zum neuen Film bis zu fünf Milliarden Dollar erreicht. Damit würde der siebte Teil des Heldenepos über den Kampf zwischen Gut und Böse Disneys «Cars»-Serie mit drei Milliarden Dollar Umsatz weit übertreffen, wie die «Financial Times» (FT) berichtet.

500 Millionen Dollar an Einnahmen für Disney

Unterm Strich dürften für Disney rund 500 Millionen Dollar an Einnahmen herausschauen – nur aus Lizenzgebühren und Umsatzbeteiligungen an den «Star Wars»-Produkten, schätzt ein Analyst der Investmentbank Macquarie Securities.

Die Umsätze, die mit «Star Wars»-Spielzeug seit dem ersten Film erwirtschaftet wurden, beziffert die FT auf 20 Milliarden Dollar. Der Kauf von Lucasfilm stellt sich als cleverer Schachzug heraus, der sich auch für Investoren gelohnt hat. Die Aktie ist seit 2012 um 170 Prozent gestiegen.

Seit dem ersten Film 1977 bevölkern Actionfiguren, Flugobjekte und Schwerter die Kinderzimmer, vor allem im englischsprachigen Raum. So mancher denkt leidvoll an sein Spielzeug zurück, insbesondere wenn es nach wenigen Jahre verkauft wurde. Ein originalverpacktes Figurenset aus den 80ern erzielte am Freitag auf einer Auktion in New York einen Preis von 32 500 Dollar.

Marketingspektakel «Force Friday»: Hier geht die dunkle Seite der Macht  einkaufen.

Doch Disney denkt bei den Lizenzen in noch grösseren ­Dimensionen als Lucasfilm. Artikel zur Disneys «Eiskönigin» überfluteten den Handel weltweit. Auch diese Weihnachten – zwei Jahre nach dem Film­start – dürften Puppen der Hauptfigur Elsa bei vielen Schweizer Mäd­chen für Begeisterung sorgen, wie es bei Spielzeughändlern heisst.
Mit «Star Wars» legt Disney noch einen Zahn zu.

Schon die Lancierung der neuen Lizenzprodukte war ein Spektakel. Am «Force Friday», dem 4. September, durften rund um den Globus Auserwählte die spannendsten Lizenzprodukte auspacken – live übertragen im Youtube-Kanal.

Viele Fans fühlten sich von der Macht jedoch schnell verlassen – die beliebtesten Produkte waren in kurzer Zeit ausverkauft.

Anders als die USA, Grossbritannien oder Australien ist die Schweiz nicht von eingefleischten «Star Wars»-Fans bevölkert. Das wird auch bei den Kinoeintritten deutlich. Während sich laut dem Schweizerischen Verband für Kino und Filmverleih (Procinema) bislang rund 740 000 Menschen den im November gestarteten James-Bond-Film «Spectre» anschauten, lockte die letzte «Star Wars»-Episode 2005 nur rund halb so viele Besucher in die Filmsäle.

«‹Star Warswar in der Schweiz lange kein grosses Thema. Nun gibt es einen Hype»

Die derzeitige Merchandise-Kampagne zeigt aber Wirkung. Obwohl die neuen Produkte erst seit drei Monaten zu haben sind, sei «Star Wars» die wichtigste Lizenz dieses Jahres im Schweizer Spielwarenmarkt, sagt Kurt Meister, Spielwarenexperte beim Marktforschungsinstitut GfK. Bis November 2015 habe das Epos bereits gleich viel Umsatz generiert wie die Nummer zwei und drei zusammen, «Frozen» und «Cars».

«‹Star Wars› war in der Schweiz lange kein besonders grosses Thema, es hat sich in den letzten Jahren aber gut entwickelt, und nun gibt es einen Hype», sagt Meister. Disneys wichtigste Partner im Bereich Spielwaren sind die Hersteller Lego und Hasbro.

Die Schweizer Detailhändler haben ihr Sortiment kräftig aufgestockt. Die Migros führt eigenen Angaben zufolge rund 65 «Star Wars»-Artikel, Konkurrenten Coop und Manor gar rund 120. Die Spielwarenkette Franz Carl Weber wartet mit über 300 Produkten auf, etwa die Hälfte davon sind Lizenzen des neuen Films.

Jeder kann ihn haben: Der Droide BB-8 ist einer der Merchandise-Artikel von «The Force Awakens».

Jeder kann ihn haben: Der Droide BB-8 ist einer der Merchandise-Artikel von «The Force Awakens».

Die Produktpalette im Schweizer Detailhandel ist breit. Vielfach beginnt der Tag von kleinen und grossen Fans mit dem «Star Wars»-Lego-Adventskalender. Verkaufsschlager sind auch die Lichtschwerter.

Hinzu kommen Gebrauchswaren wie Bettwäsche, Teller und Schulranzen, aber auch Gadgets wie ein Yoda-Wecker (statt Klingelton grüsst der Jedi-Meister wohlwollend «Möge die Macht mit dir sein») oder Kopfhörer in Darth-Vader-Form. Es gibt «Star Wars»-T-Shirts, Socken und für Fans mit heimlicher Leidenschaft – Unterwäsche. Für «Knaben-Boxer im Duopack mit ‹Star Wars›-Sujet», warb jüngst die Migros.

Bei Franz Carl Weber heisst es, die Umsätze entwickelten sich «galaktisch gut». Sprecher Andri Hofmann rechnet damit, dass der Filmstart das Geschäft noch unterstützen werde. Auch Coop geht davon aus, dass die Nachfrage 2016 noch anzieht.

Dass sich in den «Star Wars»-Filmen fast ausschliesslich Flugobjekte wilde Verfolgungsjagden leisten, stört selbst die Autobranche nicht. Fiat motzte zur Auto­show in L. A. einen Fiat 500 zum Stormtrooper-Gefährt auf. In einem Werbespot schickt der Autobauer ein weisses und ein schwarzes Exemplar zum Wüstenduell auf einen fernen Planeten.

Die Kosmetikfirma Covergirl will unter anderem den Stormtrooper-Look bei Frauen salonfähig machen. «Verführt dich die dunkle Seite, oder verbündest du dich mit der Hellen?», fragt sie in der Werbung für ihre «Star Wars»-Lippenstiftkollektion. Das zeigt, dass ­Disney mit «Star Wars» vermehrt Frauen ansprechen will. Zudem gibt es Skurrilitäten en masse auf diversen Internetseiten: etwa «Star Wars»-Kostüme für Hunde.

Ob die Macht wohl mit ihm ist? Ein «Star Wars»-Kostüm für Hunde.

Ob die Macht wohl mit ihm ist? Ein «Star Wars»-Kostüm für Hunde.

Das grosse Potenzial der Cashmaschine «Star Wars» zeichnet sich darin aus, dass die Filme gleich mehrere Generationen ansprechen. Ebenso wie es sich bei den Hauptpersonen der Filme um mehrere Generationen einer Familie handelt, dürften sich einige Fans der ersten Stunde den neuen Film bereits mit ihren Enkeln anschauen. Das Potenzial für den Markt mit Lizenzprodukten sei also grösser als bei anderen Filmen, sagt GfK-Marktforscher Meister.

Auch damit erklärt sich die Allgegenwärtigkeit der Produkte. Widerstand leisten wird schwierig. Disney ist sich dessen bewusst. «Die Macht, sie ruft nach dir», heisst es im Trailer für den neuen Film. «Lass es einfach zu.»

«Star Wars: The Force Awakens» - die neuen Helden: Plünderin Rey, Ex-Sturmtruppler Finn und Droide BB-8 (alle gut) im Einsatz für den galaktischen Frieden.

«The Force Awakens»: Kylo Ren (böse, gespielt von Adam Driver) konstruierte sein rotes Lichtschwert selbst.

«The Force Awakens»: Ein abgestürzter Sternzerstörer als Kulisse für eine Verfolgungsjagd auf dem Planeten Jakku.

Text
Matthias Lerf
Philippe Zweifel
Cornelia Krause
Fotos
The Kobal Collection (2)
Lucasfilm (9)
Getty Images (1)

Gestaltung
Andrea Bleicher