Gärtnern für Dummies

Urban Gardening mag seit Jahren im Trend sein – unsereiner scheitert bereits an Basilikum und Margritli. Othmar Ziswiler von Jardin Suisse beantwortet die dringendsten Anfängerfragen und erklärt, wie wir auch ohne grünen Daumen den Balkon zum Blühen bringen

Ab wann dürfen Pflanzen nach draussen?
Sobald der Frost vorüber ist, also etwa Anfang Mai. Sicherheitshalber wartet man die Eisheiligen von 11. bis 15. Mai ab. Robustere Kräuter wie Thymian oder Rosmarin können schon Mitte April auf den Balkon.

Samen oder Setzlinge?
Für Anfänger eignen sich Setzlinge besser, weil diese die kritische Phase bereits hinter sich haben.

Welches ist die tubelisicherste Blume?
Die Mandevilla. Die kann extrem viel Stress aushalten und auch mal ein, zwei Wochen ohne Giessen auskommen. Auch Geranien überstehen ein paar Tage ohne Wasser. Geranien sind aber etwas bünzlig.

Gibt es pflegeleichte Alternativen?
Ja, es gibt zahlreiche Balkonpflanzen für ­Anfänger, die ebenso prächtig blühen, etwa: Mandevilla, Surfinien, Bidens, Verbenen.

Welche Pflanze ist die grösste Zicke?
Viele Pflanzen haben irgendeinen Tick. Die grösste Zicke ist der Basilikum. Er hält Temperaturen unter 10 Grad nicht aus, sollte in kühlen Nächten also in der Wohnung bleiben. Er muss regelmässig gegossen werden, darf jedoch nie im Wasser stehen bleiben. Beim Kauf sollte man unbedingt darauf achten, dass es sich um eine kräftige Pflanze handelt. Sind manche Blätter gelb oder schlaff, sollte man die Finger davon lassen.

Ist Gemüse nur für Fortgeschrittene?
Nein, Gemüse gedeiht auf dem Balkon fast so gut wie Blumen, genau wie Erdbeeren oder Blaubeeren. Besonders wichtig ist, dass der Topf genügend gross ist, damit die Erde ausreichend Wasser speichern kann.

Welches Gemüse ist genügsam?
Tomaten, Gurken, Peperoni, Radieschen oder Blattsalat sind für den Anfänger ideal.

Welche Pflanzen dürfen an die Sonne?
Ganz viele Pflanzen mögen die pralle Sonne. Umso wichtiger ist, dass sie genügend Wasser erhalten, besonders an heissen ­Tagen. Manche Pflanzen erholen sich nie mehr wirklich, wenn man mal das Giessen vergisst.

Was, wenn der Balkon schattig ist?
Ein paar Stunden Schatten halten die meisten Pflanzen problemlos aus. Scheint nie die Sonne, sollte man Schattenpflanzen wie Fuchsien oder Begonien wählen.

Aus welchem Material soll der Topf sein?
Das Material ist nebensächlich, Hauptsache, er hat ein Loch im Boden, damit das überschüssige Giesswasser ablaufen kann, und er ist genügend gross, damit die Erde ausreichend Wasser speichern kann. Das verzeiht gelegentliche Giessfehler. Ideal sind Töpfe mit Wasserreservoir.

Muss man Pflanzen, die man in diesen kleinen Plastiktöpflein kauft, umtopfen?
Theoretisch könnte man sie dort drin lassen, aber es wäre besser, sie umzutopfen. Die wenige Erde könnte sonst zu schnell austrocknen oder zu wenig Nährstoffe bekommen.
Momentan sind Hochbeete im Trend. Wozu braucht man die?
Das Schöne an ihnen ist, dass man sich zum Gärtnern nicht bücken muss. Die Pflanzen sind weniger anfällig für Unkraut und Schnecken, und sie wachsen schneller, wenn der Auf­bau mit Dünger richtig gemacht worden ist.

Darf man die alte Erde erneut benutzen?
Es empfiehlt sich, neue Erde zu nehmen, da die Struktur der alten oft nicht mehr gut genug ist. Zudem ist die neue Erde gedüngt, was den Pflanzen über die erste Zeit hilft.

Welche Erde soll man wählen?
Es gibt viele Spezialerden, aber im Normalfall reicht Universalerde. Wir empfehlen torffreie Erde, da diese umweltfreundlicher ist.

Brauchen Balkonpflanzen auch Dünger?
Ja, das ist eine der wichtigsten Regeln beim Gärtnern. Die meisten Blumen und Kräuter brauchen Nahrung, vor allem die voluminösen. Ideal sind Hauertkugeln mit Düngerdepot für mehrere Monate.

Darf man gedüngte Kräuter essen?
Ja, die Kräuter aus dem Geschäft sind ebenfalls gedüngt. Es gibt auch Biodünger.

Wie weiss man, ob Zeit zum Giessen ist?
Indem man kurz mit den Fingern in die Erde greift. Solange sie sich feucht anfühlt, braucht man noch nicht zu giessen.

Wie merkt man, wie viel Wasser eine Pflanze benötigt?
Man giesst so lange, bis das Wasser unten aus dem Loch herausläuft. Der Topf darf aber nicht im Wasser stehen bleiben, das ist der Tod fast aller Pflanzen. Das Wasser, das nach 15 bis 30 Minuten noch im Übertopf ist, muss man weggiessen.

Wann soll man giessen?
Idealerweise am Morgen oder am Abend, wenn es nicht zu heiss ist und die Sonne nicht so stark brennt.

Wie giesst man richtig?
Die meisten Pflanzen mögen es nicht, angegossen zu werden. Wenn möglich sollte man direkt die Erde giessen oder das Wasser von unten ansaugen lassen .

Wie überleben Pflanzen die Ferien?
Ich sage immer, das ist der beste Moment, die Nachbarn kennen zu lernen. Kopfstehende PET-Flaschen nützen nur kurzfristig.

Wie erntet man Kräuter?

Bei Pfefferminze oder Basilikum sollte man nicht einzelne Blätter herauszupfen, sondern sie sauber am Stiel abschneiden, am besten mit einer Schere.

Pfefferminze kann bodeneben geschnitten werden, beim Basilikum sollte oberhalb eines Blattpaars geschnitten werden. Schnittlauch schneidet man zwei, drei Zentimeter über dem Boden, Peterli ebenfalls auf Erdhöhe abschneiden.

Warum es schiefläuft

Wenn es Primeln nie bis zum Sommer schaffen . . .
. . . fehlt es nicht am grünen Daumen. Primeln sind Frühlingsblumen und haben ihr Lebensende im Mai erreicht.

Wenn Blumenblätter gelbe Ränder bekommen . . .
. . . haben sie wohl einen Nährstoffmangel und sollten gedüngt werden.

Wenn Blumen oder Kräuter schlaff sind . . .
. . . hat man entweder zu wenig gegossen und die Wurzeln ausgetrocknet oder zu viel, sodass sie kein Wasser mehr aufnehmen können. Als Erste Hilfe giesst man die Pflanze grosszügig oder lässt sie antrocknen, je nach Ursache. Hat sich die Pflanze nach drei, vier Tagen nicht erholt hat, ist sie wohl nicht mehr zu retten.

Wenn Pfefferminz in die Höhe schiesst und die Blätter mickrig bleiben . . .
. . . hatte er es zu trocken, oder er beginnt zu blühen. In diesem Fall schneidet man ihn bodeneben ab, und er treibt wieder aus.

Wenn Margeriten verkümmern . . .
. . . ist wohl der Topf zu klein, und die Erde kann zu wenig Wasser aufnehmen. Im Sommer können sie an nur einem Tag austrocknen. Es lohnt sich, die Pflanzen umzutopfen. Es könnte auch sein, dass es sich um eine Sorte handelt, die nicht bis zum Herbst durchhält. Man sollte sich beim Kauf nach durchblühenden Margeriten erkundigen.

Wenn Blätter plötzlich grau werden, Flecken oder Pusteln aufweisen . . .
. . . könnte dies ein Hinweis auf einen Pilz sein, denn die meisten Pflanzen haben normalerweise ein ebenmässiges Aussehen. Bei Tomaten besteht Pilzgefahr, wenn sie Regen ausgesetzt sind, was sie überhaupt nicht mögen. Die müssen an einem geschützten, sonnigen Ort stehen.

Wenn Blätter schleimig sind und an den Rändern Löcher aufweisen . . .
. . . waren wohl Schnecken am Werk, die meist vom Rand her fressen. Raupen könnte man live zusehen. Bei kleinen Flächen sammelt man sie ein. Ein Trick bei Schnecken: Man legt ein Brett auf die Erde. Oft verkriechen sie sich darunter und können dort eingesammelt werden.

Impressum

Text
Denise Jeitziner

Illustrationen
Corina Vögele

Fotos
Getty (5)

Gestaltung
Natalie Hauswirth