Nelken, Kopra, Kakao

Mit dem Segelschiff unterwegs zu den Gewürzinseln

Die Molukken – auch «Gewürzinseln» – genannt, sind eine der ärmsten Gegenden Indonesiens. Aber auch eine der schönsten, wie man sieht.

Auf der nördlichsten Molukken-Insel Morotai bieten Händlerinnen Früchte, Gemüse und Gewürze an.

Touristen gibt es kaum auf den Molukken. Weil man ein Schiff braucht, um sie zu erkunden. Wie den Zweimaster Katharina.

Wie aus einem Geschichtsbuch befreit, schwebt die Katharina auf dem Wasser: ein weisser Zweimaster aus Holz, braune Segel, stolze 33 Meter Schiff, über der Reling 14 lachende Köpfe – die kompetente indonesische Crew inklusive eines hervorragenden Kochs. Die Katharina ist ein bequemes Schiff mit klimatisierten Kabinen.

Die Crew der Katharina kann nicht nur segeln. Auch der Koch ist hervorragend.

Die Crew der Katharina kann nicht nur segeln. Auch der Koch ist hervorragend.

In Ternate, Hauptort der Nordmolukken, gehen wir an Bord, um uns wie vor 155 Jahren der britische Naturforscher Alfred Russel Wallace den Äquator entlangzuhangeln. Hier entwickelte er die Evolutionstheorie der natürlichen Selektion. Als Charles Darwin aus Wallace’ Briefen davon erfuhr, publizierte er sofort seine lange in der Schublade gehütete Theorie der Entstehung der Arten. Darwin wurde weltberühmt. Nach Wallace ist eine unsichtbare Linie benannt, die den indonesischen Archipel zwischen Bali und Lombok teilt: Westlich der Linie sind Flora und Fauna orientalisch, östlich davon australasiatisch.

Die Molukken liegen im östlichen Gebiet. Touristen verirren sich kaum hierhin. Nicht weil es kulturell oder landschaftlich unattraktiv wäre, sondern weil sich die Region nur mit dem «eigenen» Schiff erkunden lässt.

Nebst Wallace waren Gewürzhändler aus China auf den Molukken gewesen. Zuvor, im 16. Jahrhundert, kämpften die Seemächte Portugal und Spanien um Herrschaft und Pfründe. Sie hinterliessen Festungsruinen. Dann kamen die Holländer als Kolonisatoren und Erfinder jenes unsäglichen Anbausystems, das sie in Indonesien erstmals anwendeten: die Monokultur. Die Molukken waren ihre wertvollsten Gewürzinseln. Noch heute werden in Ternate tonnenweise Muskatnüsse, Gewürznelken, Sago, Kopra und Kakao umgeschlagen: Die Schubladen in den alten Handelskontoren sind voller Bargeld.

Die Route der Reise: über Ternate nach Doi und Morotai.

Die Route der Reise: über Ternate nach Doi und Morotai.

Entlang der aktiven Vulkankette der Insel Halmahera schippern wir nordwärts und ankern vor
Jailolo. Anders als im sonst mehrheitlich muslimischen Indonesien sind hier Christen in der Überzahl. Das nutzten sie vor nicht allzu langer Zeit und griffen Muslime an: Neben putzigen Häuschen mit Blumengärten stehen abgefackelte Häuser.

Vor der Insel Doi: Die einzige Verbindung nach Ternate ist eine Fähre.

Moschee auf der Insel Doi. Auf den Molukken kam es immer wieder zu Ausschreitungen zwischen Christen und Muslimen.

Sprung in den Wasserfall auf der Insel Doi.

Wir pflügen durch die tintenblaue See. Fliegende Fische flüchten fächerförmig. Delfine schwimmen mit. Vor der Insel Doi ist plötzlich Musik in der Luft: Eine Fähre, die einzige Verbindung nach Ternate, schaukelt vorbei. Für Notfälle gibts ein Ambulanzboot. Auf Doi besitzen einige Jugend­liche Handys, obwohl ein Netz fehlt. Sie hören damit gespeicherte Musik und knipsen Fotos.

Sie bitten höflich, uns fotografieren zu dürfen. Weisse kennen sie nur vom Fernsehen, einzig ihre Eltern begegneten weissen Missionaren.

Am Horizont taucht die nördlichste Molukken-Insel auf: Morotai. Sie müsse bekannter werden, fand ein findiger Kopf und wollte sie mit «Sail Morotai 2012» aus­tralischen Seglern beliebt machen. Kompetenzgerangel und ein Bewilligungschaos verhinderten den Erfolg.

Zwar gibts jetzt ein Medienhaus (geschlossen) und ein Tourismusbüro, dessen 76 Angestellte in einem Jahr 25 Besucher registrierten. Man kümmert sich rührend um uns und will uns die im Dschungel verrosteten US-Panzer aus dem 2. Weltkrieg zeigen. Die Touristiker scheitern jedoch zu dritt beim Versuch, den Ort auf der Landkarte zu finden.

Wir verlassen das «Kompetenzzentrum» und setzen über zur Insel Kokoyo: Kokospalmen, ein schneeweisser Strand, der in eine Sinfonie aus Blautönen übergeht. «Wenn ich das klare Wasser sehe, wird auch mein Geist klar und ruhig», sagt Yasnen, unser Kapitän.

Schneeweisser Strand auf der Insel Kokoyo.

Raja Ampat, ein maritimes Schutzgebiet mit rund 3000 Eilanden.

Wir fahren ostwärts weiter, bis kegelförmige Inseln auftauchen. Raja Ampat ist ein maritimes Schutzgebiet mit rund 3000 Eilanden. Vor der Insel Wayag sind die Riffe so, wie sie aussehen, wenn der Mensch sich angemessen verhält und nicht wie anderswo mit Dynamit fischt: umwerfende Formen, eine atemberaubende Farbpalette, unzählige Fische. Der Panoramablick von einem 70 Meter hohen Kegelberg ist grandios: eine lange Kette unberührter Inseln, weisse Strände, gesäumt von Wasser, das wie flüssiger Smaragd schimmert. Die Welt ist schön.

Eine Tagesfahrt weiter gewinnt eine australische Firma Preziosen aus dem Meer: Zuchtperlen. Ein heikles Unterfangen, das viel Know-how voraussetzt. Und Wasser bester Qualität. Die überwacht Meeresbiologe Remi Anfosso: «Sie hat sich in den letzten vier Jahren nicht verändert.» Ein Lichtblick. 157 Menschen arbeiten hier.

Auf der nahen Insel Waigeo soll ein sagenhafter Vogel regelmässig gesichtet werden. Wir segeln hin. Und wie bestellt, landet er auf einem Baum im hügeligen Wald: goldgelbe Schultern, braun und rot leuchtende Schwanzfedern – der Paradiesvogel.

Impressum

Text und Fotos
Daniel Peterlunger
Gestaltung
Andrea Bleicher