Sir Fabian hat Hunger

Wie unser Autor im Luxusresort auf den Seychellen
zum Snob wurde

Blütenbad gefällig? Der Privatbutler ist stets zur Stelle

Luxus macht faul und pingelig. Sie glauben mir nicht? Dann verbringen Sie einige Tage im Edelresort Maia auf den Seychellen.

Hier gibt es keine Réception. Ankommende werden von einem Butler empfangen, der sämtliche Formalitäten erledigt. Die Gäste mieten ein ganzes Anwesen: eine Villa direkt am Privatstrand. Ein riesiger, verwinkelter Aussenpool. Eine Gartenlaube so gross wie eine durchschnittliche Schweizer Zweizimmerwohnung und ein tropischer Garten voll mit exotischen Früchten.

In den nächsten Tagen kümmert sich Kamini um mich, eine indische Schönheit. Sie ist meine private Butlerin und 24 Stunden für mich da. «Sir Fabian, soll ich Ihnen ein Blütenbad einlassen? Darf ich Ihnen Champagner kühl stellen? Ist es Ihnen nach einem frisch gefangenen Lobster?»

Luxus-Erlebnis vermittelt Kolonialgefühl

Bedingungsloses Dienen. So das Konzept. Nicht jedermanns ­Sache, ich komme mir blöd vor. Nicht dass ich Luxus nicht geniessen könnte. Aber das Kolonial­gefühl, das einen hier beschleicht, liegt mir nicht. Genau das aber wollen die High-Class-Gäste. Kein Wunder: Eine Nacht kostet bis zu 3000 Franken, alles inklusive. Einheimische müssen dafür im Schnitt drei Monate arbeiten.

«Kamini», sage ich, «du kannst ein paar Tage entspannen, ich komme hier gut allein zurecht.» Die Inderin schaut mich entgeistert an. Ich erinnere mich an einen Tipp im Resort-Prospekt: Wer ungestört sein will, hängt eine Kokosnuss ans Villa-Eingangstor. Das mache ich erst mal.

«Schweizer haben oft Mühe mit dem Privatbutler», beruhigt mich Karl mit einem professionellen Lächeln. Er ist der Resident Manager. Ein bulliger Typ Ende dreissig, auf der Nachbarinsel geboren, in Rom aufgewachsen. «Doch die Osteuropäer und die Besucher aus dem Nahen Osten sind ganz heiss auf den Butlerservice», sagt er. Dafür seien die Schweizer sehr angenehme Gäste, «sie beklagen sich selten». Andere Kunden würden manchmal sogar das Wetter beanstanden.

Wirklich Reiche machen, was sie wollen. Ich merke es mir

Um vier Uhr nachmittags klopft Kamini ans Eingangstor – trotz Kokosnuss. Sie bringt mir einen frischgepressten Mango-Passionsfrucht-Saft. «Geht es Sir Fabian auch wirklich gut?»

«Whatever, whenever, wherever» lautet das Maia-Motto. Alles, wo und wann man es will. Einmal, so erzählt Karl, habe ein Geschäftsmann aus Singapur nachts um drei ein Viergangmenü bestellt. Die Koch-Crew musste geweckt werden. Als der Butler das Gericht servierte, schob es der Geschäftsmann angewidert zur Seite. Er hatte sich den Magen inzwischen mit einem Käsekuchen aus der persönlichen Villa-Bar vollgeschlagen.

Am Abend entscheide ich mich für ein Nachtessen im Resort-eigenen Luxusrestaurant. Obwohl es noch immer knapp 30 Grad heiss ist und die hohe Luftfeuchtigkeit mir den Schweiss aus den Poren drückt, trage ich lange Hosen und Hemd. Dresscode. Dumm nur: Ich bin der Einzige, der sich daran hält. Eine Gruppe reicher Russen kommt in tropfenden Badehosen und abgewetzten Flipflops, ein junger Japaner im Donald-Duck-Shirt.

Wirklich Reiche machen, was sie wollen. Ich merke es mir. Der frische Fisch schmeckt auch so vorzüglich. Doch schon beim Zubettgehen habe ich neue Sorgen: An welchem der Marmor-Lavabos mit Goldhahn soll ich die Zähne putzen? Und vor allem: Wo zum Teufel ist der Schalter, mit dem man das Licht abschaltet, das den Ventilator an der fünf Meter hohen Schlafzimmerdecke beleuchtet? Ferien im Maia bringen die Probleme eines britischen Grossgrundbesitzers mit sich.

Das Erste, was am nächsten Morgen durch die Villa-Vorhänge schimmert, ist Kamini in der Morgensonne. Sie liest die abgefallenen Palmblätter vom Rasen, fischt die Hibiskus-Blüten aus dem Pool. «Guten Morgen Sir Fabian, darf ich Sie zum Frühstück fahren?» Im Resort lassen sich alle in einem Golfwägelchen herumchauffieren. Ich gehe lieber zu Fuss. Sind ja nur ein paar Meter.

Beim Frühstück sehe ich zwei jungen Einheimischen beim Surfen zu. Doch nach wenigen Minuten werden sie von einem Resort-Angestellten höflich weggeschickt. Exquisite Weltabgeschiedenheit.

Von draussen bekommen die meisten Gäste nichts mit. Von den schrottigen Dörfern, den staubigen, afrikanischen Strassen, den dürren Hühnern und lebensfrohen Inselbewohnern. Dabei sind die Seychellen eine sichere Feriendestination: keine giftigen Tiere, keine Kriminalität, keine Wirbelstürme. Tropen für Anfänger – verlassene Traumstrände inklusive.

Insel La Digue: Der Strand Anse Source d’Argent zählt zu den schönsten der Welt

Die 30 Maia-Villen mit je 250 Quadratmeter liegen auf der Hauptinsel Mahé, unweit der Hauptstadt Victoria. Auf jeden Gast kommen mehrere Angestellte. Allein 18 Vollzeitgärtner kümmern sich um die tropische Gartenlandschaft. Auf Wunsch der Gäste werden ausländische Produkte wie Kamelmilch, Schweizer Käse und Spezialweine eingeflogen.

Stimmt die Bezahlung, hat das Maia fast alles im Angebot. Inselhopping mit dem Helikopter, eine eigene Perle züchten, die man nach ein paar Jahren abholen kann, oder in den Indischen Ozean hinausfahren und Haie markieren – zu Forschungszwecken.

Die anderen Gäste bekommt man nur selten zu Gesicht. Genau das, was Gregory hier so schätzt. Der Russe, 38, ist mit seiner Frau schon zum zweiten Mal im Maia. «Von keiner Villa aus sieht man bis zur anderen, und trotzdem ist die Aussicht überall atemberaubend», schwärmt er und wischt über sein iPad. Dafür zahle er für eine Woche gerne «etwas mehr als
15 000 Franken». Woher er das Geld hat? Angeblich aus dem Kaviargeschäft am Schwarzen Meer.

Wohlfühloase des Maia-Resorts: Spa-Bereich mitten in tropischer Gartenlandschaft

Ein chinesischer Gong weckt mich. Ich muss eingeschlafen sein während der 90-minütigen Massage im Spa-Bereich. Es riecht nach Zitronengras und Zimt, draussen stürzt ein Tropenregen nieder. Zurück in der Villa frage ich mich, warum Kamini den frischgepressten Vier-Uhr-Saft noch nicht gebracht hat. Und in der Früchteschale fehlt die Sternfrucht.

Die Kokosnuss habe ich seit einem Tag nicht mehr am Eingangstor hängen. Ab und zu brauche ich ja schon mal was. So ein Blütenbad zwischendurch tut gut. Und gegen ein Glas Champagner in der Abendsonne ist ebenfalls nichts einzuwenden. Kamini macht das ja gerne für mich.

Um acht Uhr bin ich bereit für das Abendessen. Die kurzen Hosen sind noch etwas sandig, aber das stört sicher niemanden. Fünf nach acht: Noch immer keine Spur von Kamini und dem Golfwägelchen. Ich klingle noch mal. Zwei Minuten später kommt sie endlich, entschuldigt sich. «Ich würde jetzt gerne ins Restaurant», sage ich, «Sir Fabian hat Hunger.»

Die Reise wurde unterstützt von Emirates Airlines

Infos

Anreise Emirates fliegt in 13 Stunden von Zürich via Dubai nach Mahé. Strecke nach Dubai im Airbus A380. Retourticket Economy ab 1292 Fr., Business ab 4799 Fr. (bei Manta Reisen).
Emirates: Tel 0844 111 555, www.emirates.ch

Unterkunft
- Maia Luxury Resort & Spa, Mahé: ab 2100 Fr. pro Nacht inkl. VP und Butlerservice, www.maia.com.sc
- Raffles, Praslin: DZ ab 580 Fr. inkl. Frühstück und Privat-Pool, www.raffles.com/praslin

Beste Reisezeit Ganzjährig warmes, tropisches Klima. Lufttemperaturen fast nie unter 24 Grad Celsius, Wassertemperaturen selten unter 26 Grad Celsius. Optimale Zeit zum Tauchen: September bis Mitte Dezember und März bis Mitte Mai.

Insel-Erlebnisse
– Insel La Digue mit Traumstrand Anse Source d’Argent
– Insel Praslin: Nationalpark und Weltnaturerbe Vallée de Mai
– Insel Mahé: Hauptstadt Victoria mit farbenfrohen Märkten und netten Bars

Allgemeine Informationen
www.seychelles.travel

Text
Fabian Eberhard

Infografik
Jürg Candrian

Gestaltung
Fabian Eberhard