Serientäter

Wir können nicht genug bekommen: neue Serien mit Suchtpotenzial. Und alte, die man besser nicht vergisst

Dass Serien süchtig machen, ist unumstritten; die Frage ist nur, ab wann genau. Netflix hat bei 25 Serien überprüft, ab welcher Folge mindestens 70 Prozent der Zuschauer fortan dranblieben.

Nie war es Liebe auf die erste Folge; die meisten werden erst während des ersten Staffeldrittels zum Fan.

Bei «How I Met Your Mother» dauerte es sogar acht Folgen, «The Killing» und «The Walking Dead» hingegen hatten ihre Fans schon ab der zweiten Folge im Sack, genau wie «Breaking Bad» beim Moment, als ein Drogendealer in Salzsäure aufgelöst wurde. Bei «Orange Is the New Black» und «House of Cards» geschah es nach drei Folgen, bei «Better Call Saul» nach vier, bei «Mad Men» nach sechs.

Als grösste Serienjunkies entpuppten sich die Niederländer: Im Durchschnitt waren sie eine Folge früher Fan als die übrigen Netflix-User.

Hinschauen!
9 neue Serien

Englischlehrer Jake Epping (James Franco) reist in «11.22.63» in der Zeit zurück, um das Attentat auf John F. Kennedy zu verhindern.

11.22.63

Story: Für einmal dreht sich nicht alles um die Frage «Wer hat Kennedy ermordet?». In den acht Episoden von «11.22.63» versucht ein Zeitreisender, das Attentat auf John F. Kennedy zu verhindern, was schwierig werden dürfte, wie die Botschaft zur Serie – «The past hates trespassers» (Die Vergangenheit hasst Eindringlinge) – vermuten lässt. Die Serie basiert auf Stephen Kings gleichnamigem Roman, mit dem er beweisen konnte, doch ein ernst zu nehmender Autor zu sein.

Wer: James Franco, Daniel Webber, Sarah Gadon, T.R. Knight; Bridget Carpenter (Drehbuch), J.J. Abrams (Produzent).

Nicht verpassen, weil wir alle ganz genau wissen, wie es enden wird, wenn es um JFK geht – oder doch nicht? Immerhin handelt es sich um eines der rätselhaftesten Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Das verspricht reizvolle Spannung.

The Path

Was macht eigentlich Aaron Paul? Ja was wohl: Der Breaking-Bad-Star hat eine neue Serie am Start. Mit Michelle Monaghan spielt er in «The Path» ein Ehepaar, das in die Fänge einer zwielichtigen Glaubensgemeinschaft gerät.

Story: Die zehnteilige Dramaserie handelt von einem Ehepaar, das unter dem Einfluss einer kontroversen Glaubensbewegung und deren Führer steht. Bei einem Erlebnis mit anderen Mitgliedern des Kults wird der Mann in seinen Grundfesten erschüttert. Während er sich auf die Suche nach der Wahrheit macht, beginnt die Ehe zu kriseln, denn seine Frau glaubt, er habe eine Affäre.

Wer: Aaron Paul, Michelle Monaghan, Hugh Dancy.

Nicht verpassen, weil Aaron Paul nach «Breaking Bad» endlich auf den kleinen Bildschirm zurückkehrt und in Hugh Dancy einen charismatischen Mitspieler findet.

Vinyl

Sex! Drogen! Rock’n’Roll! Bobby Cannavale als Plattenlabel-Gründer Richie Finestra in «Vinyl».

Story: Sex, Musik, das New York der 70er-Jahre und viele, viele Drogen: Die Geschichte um den Chef eines Rock’n’Roll-Labels, der im Konkurrenzkampf gegen Disco, Punk und Hip-Hop verzweifelt auf eine musikalische Entdeckung hofft, während sich seine Frau lieber dem ausschweifenden Lebensstil hingibt, verspricht viel für die Ohren und genauso viel fürs Auge. Die Idee hatte Mick Jagger, die Pilotfolge drehte Martin Scorsese.

Wer: Bobby Cannavale, Olivia Wilde, Paul Ben-Victor, James Jagger; Terence Winter (Drehbuch).

Nicht verpassen, weil die Optik der Siebzigerjahre so bunt ist wie die Welt unter Drogen und weil Mick Jagger sich damit mindestens so gut auskennt wie mit dem Rock’n‘ Roll.

Billions

Der skrupellose Hedgefonds-Manager Bobby «Axe» Axelrod (Damian Lewis) wird in «Billions» von der Staatsanwaltschaft gejagt.

Story: In der komplexen Dramaserie über Macht, Politik und die New Yorker Finanzwelt treffen ein ausgefuchster Staatsanwalt und ein skrupelloser Hegdefonds-Manager aufeinander. Es geht um Milliarden und entsprechend viele Intrigen.

Wer: Paul Giamatti, Damian Lewis; Brian Koppelman, David Levien, Andrew Ross Sorkin (Idee).

Nicht verpassen, weil das Publikum von der vorab im Internet gezeigten Pilotfolge durchwegs begeistert war, nicht zuletzt wegen der beiden ausgezeichneten Schauspieler Paul Giamatti und Damian Lewis.

Westworld

Der böseste aller Bösewichte: Ed Harris (rechts) in «Westworld».

Story: Schauplatz ist ein Vergnügungspark, wo gelangweilte Erwachsene in beliebige Rollen und Welten eintauchen können, zum Beispiel ins alte Rom oder den Wilden Westen. Menschenähnliche Roboter begleiten sie in die real wirkenden Traumwelten, die zum Albtraum werden, als die Robotern ausser Kontrolle geraten. Die «dunkle Odyssee über die Anfänge des künstlichen Bewusstseins und die Zukunft der Sünde» basiert auf Michael Crichtons gleichnamigen Science-Fiction-Klassikers aus dem Jahr 1973.

Wer: Anthony Hopkins, Evan Rachel Wood, James Paul Marsden, Ed Harris; von Jonathan Nolan und dessen Frau Lisa Joy sowie J.J. Abrams (Produzent).

Nicht verpassen, weil der Name Nolan ein Garant für packende Unterhaltung und weil die Serie mit Anthony Hopkins, Ed Harris und Evan Rachel Wood hochkarätig besetzt ist.

Taboo

Nach «Mad Max» jetzt «Taboo»: Der britische Schauspieler Tom Hardy schrieb die Geschichte, auf der die Serie basiert, zusammen mit seinem Vater Chips.

Story: Zurück in die Vergangenheit geht es mit der achtteiligen Serie «Taboo» - ins Jahr 1814. Ein britischer Abenteurer kehrt nach zehn Jahren in Afrika nach London zurück, wo er ein geheimnisvolles Vermächtnis seines verstorbenen Vaters findet, das ihn zu einem Rachefeldzug antreibt. Bald findet er sich mit der britischen Ostindien-Kompanie konfrontiert und inmitten der kriegerischen Nationen Grossbritannien und Amerika.

Wer: Tom Hardy, Michael Kelly, Jonathan Pryce, Oona Chaplin; Steven Knight (Drehbuch)

Nicht verpassen, weil Tom Hardy gerade die beste Besetzung für Echte-Kerle-Rollen ist.

American Crime Story: The People vs. O.J. Simpson

Story: Die Serie stillt beim Fernsehpublikum die Gier nach wahren Verbrechen. Die berühmtesten Kriminalfälle der Geschichte stehen im Zentrum, in der ersten Staffel der Mordprozess gegen den Ex-Football-Star O.J. Simpson.

Wer: Cuba Gooding Jr., Sarah Paulson, John Travolta, David Schwimmer, Selma Blair.

Nicht verpassen, weil uns schon der echte Prozess gegen O.J. Simpson vor den Bildschirm gebannt hat. Wahren Verbrechen kann man sich einfach nicht entziehen, erst recht nicht in Serienform.

Twin Peaks

Story: Einer der Meilensteine der Seriengeschichte, der mysteriöse Mord an Laura Palmer in der Kleinstadt Twin Peaks, wird wiederbelebt – fast 25 Jahre nach der ersten Staffel. Nach langem Gezänk mit dem Sender Showtime sollen David Lynch und Mark Frost erneut erneut dabei sein. Wegen dem Hin und Her hat sich nun der Drehbeginn verzögert. Die Fans hoffen auf einen Start noch 2016.

Wer: Kyle MacLachlan, Sheryl Lee, Richard Beymer Dana Ashbrook; von David Lynch (Regie und Drehbuch), Mark Frist (Drehbuch)

Nicht verpassen, weil zwei Staffeln Twin Peaks einfach nicht genug sind.

Sneaky Pete

«Sneaky Pete»: Giovanni Ribisi schleicht sich in die Familie seines ehemaligen Gefängnis-Mitinsassen ein.

Story: Nach einem Gefängnisaufenthalt nimmt ein Trickbetrüger die Identität seines Mitinsassen Pete an und nistet sich bei dessen ahnungsloser Familie ein, die Pete seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat. So kommt er zu einem Dach über dem Kopf und einem Job, bald muss er sich jedoch mit Petes Altlasten und dessen Oma herumschlagen, die an seiner Identität zu zweifeln beginnt.

Wer: Giovanni Ribisi, Marin Ireland; Seth Gordon (Regie Pilotfolge), David Shore (Drehbuch).

Nicht verpassen, weil die Zuschauer von der Pilotfolge so begeistert waren, dass sie mit 4,7 von 5 Sternen bewertet wurde. Beim Emmy-Award-Gewinner «Transparent» waren es 4,4.

Eine riesige Übersicht inklusive Serienplaner bietet der deutsche Branchendienst Serienjunkies.ch. Wenn nicht anders vermerkt (USA), sind alle erwähnten Serien bei uns im Free-TV, im Pay-TV (Teleclub/Swisscom TV, UPC Cablecom, Quickline), bei Netflix.ch oder Amazon Prime Instant Video zu sehen.

Lassie, Dallas,
Breaking Bad:

Die Geschichte der
Seriein Serien

I Love Lucy (1951)

Die Mutter aller Sitcoms basiert wie alle Serien auf Radio-Soap-Operas. Deren Zweck: die Zeit zwischen der Werbung zu überbrücken.

The Guiding Light (1952)

Als älteste Soap-Opera der Welt spann sie 72 Jahre lang Intrigen, 13 davon war sie bei uns als «The Springfield Story» zu sehen.

Lassie (1954)

Familienserien wie «Lassie», «Fury» und «Flipper» schafften es in den 1960ern nach Europa. Lassie, eine Hündin, wurde meist von Rüden gespielt – wegen des dickeren Fells.

77 Sunset Strip (1958)

Die Geschichte um ein Detektivbüro war eine der ersten Krimiserien. Diese zählen bis heute zu den beliebtesten Formaten, wie etwa der «Tatort» beweist. Neue Produktionen wie «Making a Murderer» von Netflix zeigen wahre Verbrechen.

Bonanza (1959)

Ein Wort reicht, und schon hören wir die Musik der Prärie in den Ohren. «Bonanza» und die übrigen Westernserien wie «Gunsmoke», «Cheyenne» oder «Maverick» waren wie die Krimis explizit für Erwachsene und zelebrierten die Fantasie des wilden Westens.

Star Trek (1966)

Vom Wilden Westen ins Weltall: Zusammen mit Mr. Spock vom Raumschiff Enterprise beamten Science-Fiction-Serien die Zuschauer in unbekannte Sphären.

Dallas (1978)

Mit der Dramaserie um den texanischen Ölbaron J. R. Ewing und seine Familie schaffte es erstmals eine Serie in die Primetime, nicht nur in den USA. Weltweit sass das erwachsene Publikum zur besten Sendezeit gebannt vor dem Bildschirm. Das war ein Meilenstein in der Geschichte der Serien – auch kommerziell.

The Simpsons (1989)

Vor allem dank Homer, Bart und Marge eroberten Zeichentrickserien die TV-Stuben und fanden die treusten Fans: Dieses Jahr läuft die 28. Staffel der «Simpsons» an.

Twin Peaks (1990)

Die düstere Serie lief nur zwei Staffeln lang, die Suche nach Laura Palmers Mörder hallt aber bis heute nach. Die Zuschauer wollen mehr, nun wird der Fall wieder aufgerollt.

Beverly Hills, 90210 (1990)

Aaron Spelling lancierte mit Brandon, Brenda und ihren Highschool-Freunden aus Beverly Hills den Jugendserien-Trend.

The X-Files (1993)

Von der Begründerin des Mysterygenres können die Fans einfach nicht genug bekommen: Scully und Mulder kehren Ende Januar zurück.

Emergency Room (1994)

Mit seiner temporeichen Erzählweise war «ER» ein Vorbild für Ärzteserien und wurde gar in der medizinischen Ausbildung genutzt.

Ally McBeal (1997)

Neben Ärzteserien fanden auch Anwaltsserien auf den Fernsehbildschirm. Die neurotische Ally McBeal war ein Highlight.

Sex and the City (1998)

Vier New Yorker Frauen, die spielerisch und offen mit Sex umgehen – eine kleine Revolution im prüden Serienamerika.

Sopranos (1999)

Die mehrfach ausgezeichnete Mafiaserie mit James Gandolfini als depressiven Paten gilt für viele als beste Serien aller Zeiten.

Breaking Bad (2008)

Mit «Breaking Bad» erreicht die Qualität von Fernsehserien eine neue Stufe – dank ausgezeichneten Schauspielern, die mehrschichtige Rollen mit Entwicklungspotenzial spielen statt Stereotypen. Das Ansehen von Serien steigt, und sie beginnen den Filmen den Rang abzulaufen.

Game of Thrones (2011)

Solch explizite Gewalt- und Sexszenen wie in «Game of Thrones» gab es in amerikanischen Serien selten zu sehen. Während sich das öffentliche Fernsehen an zahlreiche Sittenvorschriften halten muss, brechen die Pay-TV-Sender bewusst damit.

House of Cards (2013)

Die Netflix-Serie mit Kevin Spacey ist die erste, die exklusiv beim Streamingdienst ausgestrahlt wurde. Eine neue Ära des Serienschauens wird eingeläutet: Man muss sich nicht mehr wie beim TV eine Woche gedulden bis zur nächsten Folge, sondern kann sich die gesamte Staffel am Stück gönnen.

Zahlen und Fakten

44 Minuten
dauert bei Privatsendern eine Folge, die mit Werbung auf eine Stunde ausgedehnt wird. Im Pay-TV dauert sie 58 Minuten.

15 762
Folgen zählte die bislang längste TV-Serie: «The Guiding Light» alias «The Springfield Story».

36
Jahre alt waren die Durchschnittszuschauer von «Desperate Housewives». Beim Dienstagskrimi sind sie etwa 60-jährig.

6
Delfine spielten Flipper, fünf davon waren Weibchen.

5348
Figuren mussten in «Game of Thrones» bislang ihr Leben lassen, sofern sich die Fans nicht verzählt haben.

9,5
von 10 Punkten - mit dieser Supernote ist «Breaking Bad» die aktuell bestbewertete Serie auf Internet Movie Database.

24 Millionen
Dollar verdient Kaley Cuoco von «The Big Bang Theory» pro Staffel.

Impressum

Text
Denise Jeitziner

Fotos
Getty Images (2)

Gestaltung
Andrea Bleicher