Rettung aus den Fängen
der Menschenhändler

Während der Weihnachtstage 2012 erhielt ein Chauffeur in der Schweiz einen Hilferuf. Helen, die 17-jährige Tochter seines Freundes, war gefangen in einem Folterkeller von Menschenhändlern in Ägypten. Er schaffte es, sie zu befreien. Heute pflegt Helen Betagte in einem Zürcher Heim.

Bereits ein Jahr zuvor gelang es einer Gruppe von Eritreern, eine 19-Jährige zu befreien – dank einer grossen Solidaritätsaktion von Flüchtlingen in der Schweiz.

«Es war an einem der Weihnachtsfeiertage nach 14 Uhr», erinnert sich Yonas*, 53, «Helens Bruder rief mich an. Er weinte. Helen* sei in Ägypten gefangen. Die Entführer würden sie quälen. Sie habe geschrien am Telefon. Damals war sie erst 17. Die Männer verlangten 30 000 Dollar. Aber die Familie hatte keinen Rappen.»

Der Chauffeur aus der Westschweiz blickt ernst auf Helen. Es ist Dezember 2016. Die beiden versuchen, die Ereignisse zu rekonstruieren. Helen ist ein Mädchen vom Land, strenggläubig, aufgewachsen mit neun Geschwistern. Heute ist sie Pflegerin in Zürich. «Ich habe jeden Tag gebetet», sagt sie, «aber nur im Herzen. Wenn sie sehen, dass man betet, brennen sie einen mit Feuer.»

Gemeint sind ihre Entführer, die Menschenhändler vom Sinai, in Ägypten. Sie sind keine Schlepper, die Flüchtlinge gegen Geld nach Norden schleusen. Sie entführen Eritreer mit Gewalt, die oft gar nicht nach Norden wollen, verschleppen sie und stecken sie in Verliese. Unter Folter müssen die Gekidnappten von dort ihre Angehörigen in Europa anrufen und um Geld betteln.

Häuserzeile in Rafah, Ägypten an der Grenze zu Israel. Viele Gebäude sind verfallen. In dem Ort verstecken Beduinen gefangene Eritreer.

Häuserzeile in Rafah, Ägypten an der Grenze zu Israel. Viele Gebäude sind verfallen. In dem Ort verstecken Beduinen gefangene Eritreer.

In jenen Dezembertagen 2012 sass Helen in einem dieser Kerker in Rafah, wenige Kilometer von der israelischen Grenze entfernt. Sie war eingepfercht, mit einem Dutzend anderer, die Augen verbunden.

«Die Männer haben mich gezwungen, meinen Vater in Eritrea anzurufen. Sobald seine Stimme zu hören war, begannen sie, mir Stromstösse zu geben. Ich habe geschrien. Sie wollten, dass Papa es hört. Ich flehte ihn an, mein Lösegeld zu zahlen, damit sie aufhören. Ich musste jeden Tag anrufen, damit er schneller zahlt. Aber er hatte kein Geld.»

Als sie ihn zum ersten Mal anrief, brach Helens Vater zusammen. Seiner Frau erzählte er nichts von den täglichen Anrufen. Seine Hoffnung war Yonas, sein Kindheitsfreund. Er lebt in der Schweiz.

Yonas versuchte, die Familie zu beruhigen. «Jetzt rufen wir alle an, die wir kennen», sagte er damals. «Wir versuchen einfach, das Geld zu sammeln.» Es war der Beginn einer grossen Solidaritätsaktion der eritreischen Diaspora – und es war nicht die erste in der Schweiz.

Hilfe für Sigit

Sigit wurde im Alter von 19 Jahren von Menschenhändlern gefangen genommen und missbraucht.

Ein Jahr zuvor erhielt Tesfalidet, 48, einen ähnlichen Anruf. Er ist der Vorsteher einer katholischen Gemeinschaft der Eritreer in Lausanne. «Sigit, die Tochter meines Nachbarn, war in der Gewalt der Menschenhändler», erzählt Tesfalidet bei einem Treffen. «Ihre Verwandten versuchten, das Geld zu sammeln, aber sie hatten nicht genug – also baten sie die Schweiz um Hilfe. Sigit war damals erst 19.»

Tesfalidet ging strategisch vor. Er nominierte je einen Verantwortlichen für die Regionen Bern und Zürich. Er selber war zuständig für die Westschweiz. «Wir haben un­sere Landsleute angerufen und um Geld gebeten, so viele wie möglich», erzählt er. «Wir mussten uns beeilen. Die Nachrichten von Sigit waren schlimm.»

Sowohl für Helen wie für Sigit war es ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Eritreer in der Schweiz wussten damals schon, was mit den Gefangenen im Sinai passiert. Die Welt erfuhr es erst stückweise.

Die Falle im Sinai

Allein 2011 gelangten über 17 000 Eritreer via Ostsudan, Kairo und den Sinai nach Israel. Vorher waren es jährlich nur ein paar Hundert. Den Israelis fiel auf, dass viele gar keine Flüchtlinge waren, sondern Entführungsopfer. Und dass eine grosse Zahl Spuren massiver Misshandlungen aufwies.

Im November 2012 schlugen israelische Ärzte in den Auffangzentren Alarm. Sie untersuchten 1300 Eritreer in einem Zeitraum von 20 Monaten. Über 300 waren misshandelt worden. Das Verwaltungsgericht in Saharonim führte 2012 Ermittlungen in 30 Einzelfällen durch. Der Richter kam zum Schluss, dass die Hälfte der Eritreer keine Flüchtlinge, sondern Entführungsopfer waren, die verschleppt wurden, um von Verwandten Lösegeld zu erpressen. Im Schnitt 33 660 Dollar pro Kopf.

Flüchtlinge aus Afrika  in Israel.

Flüchtlinge aus Afrika in Israel.

Bei knapp einem Drittel der Eritreer dokumentierten die Ermittler Folterspuren. Die Hälfte der Frauen wurde vergewaltigt. Es gab Fälle in denen Frauen um Abtreibungen baten, weil sie von ihren Entführern schwanger waren.

Nach den Berichten aus Israel kamen NGOs und Reporter in den Sinai. Was sie fanden, war für viele ein Schock. Sie filmten Geiseln, die aus den Kellern der Erpresser befreit wurden. Darunter Merhi, 15, der sieben Monate misshandelt worden war und dessen Verwandte nicht zahlen konnten. Die Entführer wollten ihn verhungern lassen. Er wog bei der Befreiung kaum 30 Kilo.

Merhi wohnt heute in Frankreich. Er ist ein Gefährte von Helen aus Zürich, sie wurden 2012 gemeinsam entführt. «Wir liefen in dieselbe Falle», sagt Merhi am Telefon.

Merih (links) nach seiner Befreiung aus dem Folterkeller eines Beduinen. Er war 15.

Merih (links) nach seiner Befreiung aus dem Folterkeller eines Beduinen. Er war 15.

Die Falle, das sind die Menschenjäger, die an den Grenzen Eritreas lauern. Helen wollte mit dem Nachbarjungen Hagos in den Sudan, weiter nicht. Sie engagierten einen Schlepper, doch im Grenzgebiet trafen sie auf Hirten, die bei ihrem Anblick sofort ihre Mobiltelefone zückten. Wenig später rasten drei Toyota-Hilux-Pick-ups heran. Auf ihnen schwer bewaffnete Männer. «Rashaida», sagt Helen, und ihre Stimme wird leise.

2013 berichtete eine Studie der Universität Oxford im Auftrag der UNO erstmals, wie Nomadenführer aus dem Volk der Rashaida systematisch Eritreer in ihrem Einflussbereich entführten. Sie überwältigten sie in ihren Hütten in Camps der UNO im Sudan oder lauerten ihnen schon in Eritrea auf. Sie bezahlten sogar die Hirten an der Grenze, die sie herbeiriefen, sobald sie eine Gruppe wie jene von Helen entdeckten.

«Die Rashaida haben unserem Schlepper Geld gegeben, damit sie uns haben können», sagt Helen. «Sie zwangen uns auf einen Pick-up und fuhren in die Nacht.» So wurde sie zum ersten Mal verkauft.

Was Helen und Hagos nun erlebten, war die perfekt funktionierende Maschinerie des Menschenhandels in Ostafrika: Weil viele Eritreer Verwandte in reichen Ländern wie der Schweiz haben, sind sie wertvoll für skrupellose Lösegelderpresser wie die Beduinen-Banden im Sinai. Sie begannen ab 2010 mit den Folterungen und Erpressungen – und verdienten damit Geld. So entstand ein «Markt» für Eritreer. Heute läuft dieser Handel vor allem via Libyen.

Nomaden aus dem Volk der Rashaida mit ihren Pickups.

Nomaden aus dem Volk der Rashaida mit ihren Pickups.

Gegenüber der Organisation Human Rights Watch schilderte ein Zwischenhändler aus Ägypten, wie er 2012 Eritreer für 5000 Dollar pro Person an die Lösegelderpresser im Sinai verkaufte. Er selber hatte die Menschen von den Rashaida gekauft – für 600 Dollar pro Kopf. Resultat: Das Einfangen von Eritreern wurde zum Geschäft in ganz Ostafrika.

Genau davon berichtet Helen, die Pflegerin aus Zürich. Sie musste in einem Camp der Nomaden in der Sahara zwei Wochen warten, bis die Rashaida genügend Eritreer eingefangen hatten, um eine grössere Gruppe nach Norden zu fahren und sie dort zu verkaufen.

«Als wir 22 waren, haben sie immer zwei von uns an den Füssen zusammengekettet, uns auf die Pick-ups geladen und nach Norden gefahren», sagt Helen. «Ich habe dort auch Merhi gesehen. Die Rashaida hatten auch ihn eingefangen.»

Verkauft wurden sie an Zwischenhändler in der Nähe von Assuan mitten in der Sahara. Diese verfrachteten sie unter Planen über den Suezkanal und verkauften Helen, ihren Nachbarn Hagos und neun andere an einen Beduinen. Damals wurde sie von Merhi getrennt. Sie kam in ein Haus in der Nähe der Stadt Rafah. «Man sah die Lichter am Abend», sagt Helen. «Aber niemand hörte einen da, auch wenn du schriest.»

Abu Abdallah.

In einem Interview für den französischen Dokumentarfilm "Reise in die Barbarei" gab er zu, Eritreer gefoltert zu haben.

Im Jahr 2014 drehten zwei französische Reporterinnen einen Dokumentarfilm über den Menschenhandel in Ägypten, der Titel: «Reise in die Barbarei». Ihnen gelang es erstmals, einen Lösegelderpresser aus dem Sinai vor die Kamera zu bringen. Der Mann nannte sich Abu Abdallah. Er gab zu, dass er Eritreer gegen Lösegeld gefangen hielt und sie folterte.

«Einige geben dir nicht mal 5000 Dollar, selbst wenn du sie in zwei Teile zerlegst», sagte Abdallah in die Kamera. «Von anderen kannst du nicht schlecht profitieren. Manchmal bis zu 50 000 Dollar.»

Als sich Helen und Hagos das Video später anschauten, erkannten sie den Mann sofort. Er war es, der sie 2012 gekauft hatte. «Zwei seiner Brüder waren auch da», sagt Helen. Abdallah selber habe sie gefoltert. Frauen aus ihrer Gruppe seien vergewaltigt worden. Sie selber habe sich retten können, weil sie laut geschrien habe.

Sigit lebt heute in Israel

Sigit lebt heute in Israel

Andere Entführer waren noch brutaler. Die heute 24-jährige ­Sigit geriet ein Jahr vor Helen in die Fänge eines Menschenhändlers. Auch für sie wurde in der Schweiz Geld gesammelt. Die Bauerntochter aus Eritrea lebt heute in Israel. Sie erzählt am Telefon mithilfe einer Übersetzerin, wie sie in den Sinai verkauft wurde, wie sie die Gewalt erleben und mitansehen musste. Ihr Entführer misshandelte gar kleine Kinder.

Die SonntagsZeitung hat Mitgefangene von Helen und Sigit befragt. Ihre Berichte stimmten stets überein. Alle erzählen, wie die Entführer Gefangene, die nicht bezahlten, grausam ermordeten oder verhungern liessen. In Interviews gaben andere Entführer später freimütig zu, dass sie die mittellosen Menschen umbrachten. Das Resultat war, dass alle so viel bezahlten, wie sie konnten.

«Ich habe fast 600 000 Dollar verdient», sagte Abu Abdallah im Interview. «Mit der ganzen Plackerei, die wir gehabt haben, sollten wir eigentlich Milliardäre sein.»

Rettungskomitees in Zürich, Basel und Lausanne.

Tesfalidet, 48, organisierte die Rettung von Sigit von der Schweiz aus.

Sigits Hilferufe gelangten Ende Dezember 2011 zur katholischen Gemeinde der Eritreer in Lausanne. Bei einem Treffen in Bern erzählen vier Eritreer, die damals dabei waren, von der Rettungs­aktion.

«Sigit war besonders», erinnert sich Gebrezgabiher, 46. Er kam vor sechs Jahren über das Mittelmeer in die Schweiz. «Sie hatte niemanden mehr auf der ganzen Welt. Nur uns. Wir mussten sie da rausholen, bevor sie stirbt.»

Im Hilfskomitee, das in der Schweiz für Sigit aufgestellt wurde, war er zuständig für den Kanton Bern. «Ich habe ein Dutzend Bekannte angerufen, und die wiederum haben ihre Freunde kontaktiert», erzählt der Eritreer, «wir nennen das arabisches Telefon.»

Ein Hinweis, dass ein junges Mädchen aus ihrem Heimatdorf gefangen sei, habe die Menschen mobilisiert. Alle seien besorgt gewesen. Jeder habe gespendet, was er konnte, erzählt Gebrezgabiher.

Viele der Eritreer hatten kaum einen Job und praktisch kein Geld. Einige hätten 20 Franken gegeben, andere 50 oder 100. Das Bern-Komitee hat schliesslich 2000 Franken zusammengebracht.

Gebrezgabiher, Mengestab und Michael (von links) haben bei der Rettung von Sigit geholfen.

Gebrezgabiher, Mengestab und Michael (von links) haben bei der Rettung von Sigit geholfen.

Das Geld ging an den Organisator, Tesfalidet in Lausanne. «Es haben unheimlich viele gespendet, besonders auch aus der katholischen Gemeinde, zu der wir alle gehören», erzählt er. «Es war eine Welle der Solidarität in der ganzen Schweiz.»

Tesfalidet führte Konferenzgespräche mit St. Gallen, Zürich und Basel und stand mit den Komitees in Schweden, den USA und Israel in Kontakt.

Die Schweiz sammelte 8000 Franken für Sigit. Die Verantwortlichen trafen sich im Januar 2012 in Zürich bei einem WesternUnion-Schalter neben dem Hauptbahnhof. Von dort schickten sie das Geld an die Sammelstelle für Sigits Lösegeld in Tel Aviv.

Auch die Rettungsaktion für Helen lief international. «Sie hat Glück gehabt, weil sie viele Verwandte hat, die Geld geben konnten», erzählt Yonas. Er selber hat 1000 Franken bezahlt. Er verdient als Chauffeur 5000 Franken pro Monat und bringt damit seine Familie mit fünf Kindern durch.

Das Lösegeld

Ein Eritreer aus Israel erzählt am Telefon, wie er das Lösegeld für eine der Geiseln überreichte. Es geschah mitten in Tel Aviv. Ein gut gekleideter arabischer Herr sei mit einem Auto vorgefahren. Die Übergabe fand in der Limousine statt. 20 000 Dollar, in 100-Dollar-Scheinen.

Er erzählt vom quälenden Warten in den Tagen nach der Übergabe. Werden die Entführer Wort halten? Alle kennen Geschichten von Angehörigen, deren Liebste weiterverkauft wurden, auch nach der Geldübergabe.

Als Helens Lösegeld bezahlt wurde, fürchtete sich Yonas genau davor. Sie hatte vor ihren Entführern geheim gehalten, dass sie Verwandte in Europa hatte, und immer nur ihren Vater in Eritrea angerufen.

«Wenn sie von Angehörigen in Europa erfahren, verlangen sie sofort mehr Geld», sagt Yonas. «Dein Marktwert steigt, und du wirst immer weiter verkauft, auch wenn du zahlst, bis der letzte Dollar herausgepresst ist.»

Die Befreiung

Sigit und Helen hatten Glück. Die Entführer setzten sie frei, nachdem für sie bezahlt worden war. Sigit wankte mit letzter Kraft an die ­israelische Grenze. Helen wurde nach zwei Monaten bei den Entführern von Mittelsmännern bei der UNO in Ägypten abgeladen. Ihr Bruder holte sie in die Schweiz, wo sie vorläufig aufgenommen wurde.

Ihr Nachbar Hagos war fast ein halbes Jahr bei den Entführern. Nach einer Odyssee, die ihn mit einem Flüchtlingsschiff übers Mittelmeer brachte, kam auch er in die Schweiz. Er ist im Asylverfahren und lebt in Aigle VD.

Helen macht gerade ein Praktikum in einem Altersheim in der Nähe von Zürich. Sie ist im Beruf, den sie sich immer gewünscht hat. Jedes Jahr am Tag ihrer Befreiung findet in ihrem Heimatdorf ein Dankgottesdienst statt. «Mein Vater, meine Mutter, die ganze Familie ist immer da», sagt Helen. «Sie haben mich gerettet.»

* Namen geändert.

Helen und ihr Nachbar Hagos sind heute in der Schweiz.

«Die Familien sind oft verzweifelt, sie schlafen kaum noch aus Angst»

Nicole Windlin, Leiterin Suchdienst des ­Roten Kreuzes, betreute Betroffene in der Schweiz.

Haben sich schon Angehörige von eritreischen Entführungsopfern beim Schweizerischen Roten Kreuz gemeldet?

Wir erhielten insbesondere 2012 und 2013 zahlreiche Hilferufe von Eritreern in der Schweiz, deren Angehörige entführt worden waren. Einige haben angefragt, ob wir helfen könnten, die Vermissten vor Ort zu suchen und sie zu befreien. Andere fragten sogar, ob wir finanzielle Unterstützung leisten könnten für die geforderten Löse­gelder.

Was tun Sie?

In solchen Situationen gilt es, den Familien, die oft schwer traumatisiert sind, zur Seite zu stehen. Wir haben zugehört und mit ihnen gesprochen. Das Rote Kreuz bezahlt aber keine Lösegelder.

Wie haben Angehörige auf die Drohungen der Entführer reagiert?

Die Familien werden von den Entführern oft angerufen. Ihre Angehörigen werden gefoltert, während sie am Telefon sind. Die Familien sind oft verzweifelt. Sie schlafen kaum noch aus Angst vor Anrufen. Für uns gehören diese zu den schwierigsten Beratungen, die wir machen.

Was sind die Folgen solcher Anrufe?

Viele Angehörige sind nachher schwer mitgenommen und können sich kaum noch konzentrieren. Einigen drohte deswegen gar der Verlust ihrer Arbeitsstelle. Ich habe bei einer Gelegenheit auf Wunsch des Betroffenen selber einen Arbeitgeber angerufen und ihm erklärt, dass einer seiner Angestellten einen Verwandten hat, der im Sinai entführt wurde, und um Verständnis gebeten.

Was können die Opfer in der Schweiz tun?

Sie können eine Vermisstenanzeige aufgeben. Aber die Polizei in der Schweiz kann nicht viel unternehmen, da die Person nicht in der Schweiz entführt worden ist. Dieselbe Herausforderung stellt sich mit Verwandten, die auf dem Mittelmeer verschwinden.

Impressum:

Texte
Dominique Botti
Oliver Zihlmann

Fotos
Fred Merz/Lundi13,
Yvain Genevay/"Le Matin Dimanche"
Oded Plotznizki,
Finbarr O'Reilly/Reuters,
Marcin Jamkowski/Alamy

Karte
Titus Plattner

Layout
Alexandre Haederli
Oliver Zihlmann